„Heilen durch nichts tuen“ oder die „Germanische neue Medizin“


In diesem Beitrag möchte ich mich der  umstrittenen „Germanischen neuen Medizin“, ehemals „Neue Medizin“, und ihrem Erfinder Ryke Hamer widmen.

Zunächst lohnt es sich einen Blick auf ihren „Schöpfer“ Hamer zu werfen, über den es leider wenig persönliche Informationen gibt, und diese auch oft im Widerspruch zu einander stehen.

Fakt ist jedenfalls das Hamer studierter Arzt war bis er 1986 die Approbation entzogen bekam. Im Vorfeld waren immer wieder Kliniken von Hamer, wegen „skandalöser Zustände“, geschlossen worden. Der Entzug der Approbation ging auf zwei Ärzte zurück die gegen Hamer geklagt hatten.

Er selbst gibt an seine „Medizin“ durch sich selbst entdeckt zu haben, als 1978 sein Sohn Dirk-Hamer ermordet wurde. Kurz danach wurde bei Hamer ein Hodenkrebs festgestellt den er sich schulmedizinisch-operativ  entfernen ließ. In Folge dieser Krebserkrankung meinte Hamer feststellen zu können das Krebserkrankungen immer auf einen seelischen Konflikt zurück gehen würden.

Im Laufe der Jahre kam er auf viele weiterer solcher „Erkenntnisse“:

  • Schmerzen seien nützlich für den Heilungsprozess und deswegen Schmerzmittel generell abzulehnen, natürlich auch bei schweren Krankheiten wie Krebs.
  • Viren seien generell nicht existent, später, als Viren visuell nachgewiesen werden konnten, revidierte er um in „Viren seien nützlich für den Heilungsprozess“, genau wie Bakterien die eigentlich nur in Folge von Krankheitsverläufen entdeckt werden.
  • Alle Krankheiten würden nach fünf biologischen Gesetzmässigkeiten verlaufen,  meist wirbt man zunächst auch nur für die GNM mit diesen „Gesetzmäßigkeiten“ da diese anfangs relativ logisch erscheinen.
  • Ganz allgemein seien Medikamente unnötig denn der Körper würde sich ja selber heilen und die meisten Krankheiten seien ja sowieso auf seelische Konflikte zurück zu führen, ja selbst Bluthochdruck (!) sei auf einen seelischen Konflikt zurück zu führen.

1981 stellte er seine „Medizin“ im bayrischen und italinienischen Fernsehen vor, damals noch unter dem Namen „Neue Medizin“. Die Bestätigung seiner Medizin sah er, laut eigener Aussage, angeblich in einem Traum in dem sein toter Sohn Dirk seine „Entdeckung“ als richtig und gut bezeichnete. Im selben Monat sendete Hamer seine Schriften zum Thema Krebs an die Universität Tübingen zur Prüfung. Im Mai 1982 wurden seine Schriften wegen mangelnder Wissenschaftlichkeit, mit 150 zu 0 Stimmen, von der Universität abgewiesen.

Über die Schriften Hamers äußerte man sich wie folgt: „Der Kläger entwickle seine Ansichten nicht sachlich und prägnant, sondern der Stil der Arbeit sei geprägt durch persönlich-emotionale Momente. Auch nehme er keinerlei Bezug auf die vorhandene umfangreiche Literatur. Die Anschauungen des Klägers seien auch als Spekulation nicht zu akzeptieren.“

„Eine Auseinandersetzung mit der Literatur zu den Entstehungstheorien des Krebses fehle vollständig. Der Kläger äußere sich ohne sachliche Argumentation entweder polemisch oder sensitiv als Außenseiter der sogenannten Schulmedizin. Eine wissenschaftlichen Kriterien genügende, reproduzierbare Darstellung der Methodik insbesondere bei der Auswahl des Krankengutes und der Durchführung der Patientengespräche fehle ebenfalls vollständig.“

Trotzdem behauptet Hamer bis heute felsenfest seine Medizin sei die einzig „wissenschaftliche“ und „reprodzierbare“.

Überhaupt zeigen sich in Hamers Thesen immer wieder Widersprüche zur Wirklichkeit, trotz eines Arztes als Mann, der angeblich die Ursache für Krebs kannte und angeblich auch wusste wie man ihn heilt, starb Hamers Frau 1985 an Brustkrebs. Ob sie sich nach der „GNM“ behandeln lassen hat ist nicht klar. Das Hamer seine eigene Heilung der Schulmedizin zu verdanken hat ist jedoch zweifellos klar.

In der Zeit in der Hamer noch in Deutschland lebte trat Hamer immer wieder in der Öffentlichkeit auf und präsentierte Röntgen-Aufnahmen von angeblich „geheilten“ Leuten die sich im nachhinein jedoch oft als tot und bereits  begraben heraus stellten. Von 10 ermittelten Hamerpatienten, waren innerhalb von 9 Monaten 8 verstorben, vermeldete auch die TV-Sendung „Brisant“ von ARD.

Nachdem Hamer auf Grund seiner „Heilpraktiken“ ins Gefängnis musste verließ er Deutschland im Jahr 2000.

Natürlich darf eine fundierte Begründung warum seine Medizin nicht anerkannt wird und er mehrmals verurteilt wurde nicht fehlen: Laut Hamer sei die Schulmedizin „verjudet“, ernsthaft behauptet er auch Juden würden sich nie einer Chemo-Therapie unterziehen, ein Hinweis auf die gesitige Zurechnungsfähigkeit Hamers. Er ließ  sich außerdem auch die „Germanische Neue Medizin“ als Markennamen eintragen, aus der Angst heraus man könnte seine Entdeckung „Neue jüdische Medizin“ nennen. Wenig verwunderlich in diesem Kontext, dass seine einzigen politischen Fürsprecher in der NPD zu finden sind. Und so sind GNM und Rechtsextremismus oft sehr tief verwoben, auch wenn es die Anhänger dieser  Pseudomedizin permanent leugnen.

Nach wie vor glaube ich, dass die psychische Komponente auch eine Auswirkung auf unseren Gesundheitszustand hat und ich glaube auch dass es durchaus einige Einzelfälle gibt, in denen  Krebs durch eine positive Grundhaltung  etwas besser in Schach gehalten werden kann. Das ist aber auch etwas das viele „Schulmediziner“  einem empfehlen. Einen sellischen Konflikt als einzige Ursache in Betracht zu ziehen ist jedoch ausgemachter Unsinn.

Ich möchte also schlussendlich jedem raten bei einer schweren Krankheit nicht einfach den Kopf in den Sand zu stecken und auf die, von der GNM prophezeiten, „Wunderheilung“ zu warten. Jeder Urwald-Medizinmann betreibt vermutlich seriösere und erfolgreichere Medizin als Hamer.

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Zitate:

„Wenn da wirklich 100 bei mir gestorben wären, die vorher schulmedizinisch vorbehandelt waren, das wäre gar nix“ -Ryke Hamer

„Die Juden haben ihre Namen köpfen lassen […] sie wurden nicht umgebracht, sie verschwanden einfach. Und lassen es sich gut gehen unter anderem Namen, auf Kosten des deutschen Volkes, das Wiedergutmachung zahlen muss. Sieben Millionen ermordete Juden leben also!“ Ryke Hamer

Kein Mensch hat je ein Virus gesehen. Ein Virus – ein AIDS-Virus – gibt es nicht, es gibt überhaupt keine Viren. Niemand hat überhaupt je ein Virus veröffentlicht […] es gibt gar kein Virus. Niemand auf der Welt hat je ein Virus nachgewiesen. Das Virus gibt es einfach nicht. Das war eine „Entdeckung“ vom Pasteur, aber das gibt es „echt“ nicht.“ -Ryke Hamer

Ein Virus unter einem elektrischen Mikroskop


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2 Responses to „Heilen durch nichts tuen“ oder die „Germanische neue Medizin“

  1. Ich frage mich, wie Herr Hamer noch nicht hinter Gittern ist…

    • Er hat sich ins Ausland abgesetzt.

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