Idee für ein neues Geldsystem: Das Freigeld


Silvio Gesell hatte am Ende des ersten Weltkrieges einen zweiten Weltkrieg innerhalb von 25 Jahren vorausgesagt, gemäß dem Fall, dass das damalige Geldsystem nicht verändert werden würde. Es wurde jedoch nicht verändert und was er vorausgesagt hatte, traf erschreckenderweise ein.

Immer wieder entstehen Kriege und meist ist die Ursache schlussendlich fast immer die Selbe, das liebe Geld, auch wenn andere Gründe vorgeschoben werden, ob das nun ein bärtiger Terrorist in einer Höhle ist, angebliche Massenvernichtungswaffen oder „böse“ Kommunisten.

Immer wieder wird nach Methoden gesucht die Wirtschaft anzukurbeln, Kriege, Subventionen, Wirtschaftsliberalisierung usw.,  nur eines bleibt meist gänzlich unversucht: Die Reform unseres Geld- und Bankensystems. In der Menschheitsgeschichte hat es immer wieder Versuche gegeben, Armut, Elend, Unterdrückung und Ausbeutung zu überwinden. Meist wurden jedoch nur die alten Machthaber beseitigt, nicht aber die eigentlichen Strukturen der Macht.

Sivlio Gesell schlug vor den Zinseffekt einfach umzukehren, statt Geld das sich von selbst vermehrt ohne einen geschaffenen Wert dahinter, sollte es „rostende Banknoten“ geben, die je länger sie im Umlauf sind, immer weniger Wert haben. So wird nicht nur einer „schleichenden Inflation“ vorgebeugt, sondern auch die Wirtschaft angekurbelt.

Viele Leute kriegen allein bei dem Wort „Freigeld“ schon das Lachen, diese Idee sei doch viel zu utopisch und unrealistisch, wird behauptet. Die Geschichte zeigt aber ein komplett gegenaätzliches Bild dazu:

Eine bemerkenswerte und dennoch in den Geschichtsbüchern völlig unerwähnte Kuriosität stellt beispielsweise das Hochmittelalter dar. Noch heute können wir die gotische Bauten und Kathedralen in ganz Europa bewundern. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der meist nur wenige tausend Einwohner zählenden Städte war erstaunlich. Im Gegensatz zu vorhergehenden und späteren Bauten wurden die weithin sichtbaren, innen wie außen kunstvoll geschmückten gotischen Kathedralen nur selten von den reichen Fürsten errichtet. Meistens waren alle Bürger einer Stadt an den Bauten beteiligt. Nicht nur reiche Bürger, Patrizier und Kaufleute stifteten Geld, sondern auch Handwerksgilden und Zünfte, deren Mitglieder eigentlich eher zu den unteren sozialen Schichten gehörten. Einige Kirchenfenster zeigen noch bis heute das Wappenzeichen der Gilde oder Zunft, die es gespendet hat. Trotz dieser enoremen Leistungen lebte die Bevölkerung der Städte jedoch keineswegs in Armut.   Durch die florierende Wirtschaft konnten sich die Städtler bessere Nahrung und Kleidung leisten. Die Wohnhäuser wurden verhätensmäßig großräumig gebaut und reich ausgestattet. Das Handwerk blühte auf und überall gab es Arbeits- und Einkommensmöglichkeiten. Die Einkommen stiegen derart in eine Höhe, dass man oft nicht mehr wußte, was man mit seinem Überschuss an Geld anfangen sollte.  „Stadtluft macht frei“ war der Wahlspruch in dieser Zeit. Und so stehten bis heute staunende Touristen vor den prächtigen Bauten von damals und fragen sich wie das überhaupt möglich war.

Wie die meisten aus Geschichtsunttericht wissen, war Zinsnehmen, auf Befehl des Papstes, verboten. Das Geldsystem war damals noch grundlegend anders gestaltet. Regelmäßige Geldverrufungen, bei denen alte Dünnpfennige gegen eine Prägesteuer von etwa 10 -25% umgetauscht werden mußten, verhinderten eine Geldhortung und die künstliche Verknappung des Geldes. Geld war dadurch stets ausreichend im Wirtschaftskreislauf vorhanden, so daß der Zins als Preis für das Leihen von Geld nicht entstehen konnte. Man spendete sein überzähliges Geld für religiöse, soziale und kulturelle Zwecke wie z.B. die gotischen Bauten. Die umliegenden Böden gehörten meist noch den Gemeinden und die Bodenpacht floß in die Gemeindekassen. „Purer Sozialismus“, möchte da so mancher Neoliberale wieder schreien.

Aber auch in anderen Zeiten wurde Freigeld als Zahlungsmittel verwendet. Als nach dem Börsenkrach von 1929 und der darauffolgenden Weltwirtschaftskrise weltweit die Arbeitslosenzahlen stiegen (1932 allein in Deutschland auf 6 Millionen), gab es verschiedene Versuche, die Krise zu bewältigen. Aufsehen erregte das sogenannte „Experiment von Wörgl“. 1932 waren in der 4.200 Einwohner zählenden österreichischen Gemeinde Wörgl rund 400 Menschen arbeitslos. Die Gemeinde war hoch verschuldet und es fehlte an Geld für die Armenfürsorge. Mit der Wirtschaft ging es immer weiter bergab. Der Bürgermeister der Gemeinde wollte seinen notleidenden Gemeindemitgliedern helfen und studierte Karl Marx, fand dort aber keine rechte Lösung. Auch bei Pierre Joseph Proudhon konnte er keinen Hinweis finden, was zu tun war. Da fiel ihm das Buch „Die Natürliche Wirtschaftsordnung“ von Silvio Gesell in die Hände. Hier fand er eine überzeugende Erklärung für die Wirtschaftskrise und konkrete Hinweise zu deren Überwindung. Ein Jammer das solche offenen und über den Tellerrand hinausblickende Politiker heutzutage eine Rarität sind.

Auf Geheiß des Bürgermeisters wurde dann ein „Nothilfe-Programm“ beschlossen. Die Gemeinde gab ein eigenes, reigionales Geld, sogenannte ,,Arbeitswertbestätigungsscheine“ heraus. Mit diesem eigenen Geld konnte die Gemeinde Arbeitskräfte einstellen und gleichzeitig ihre öffentliche Vorhaben realisieren. Unter anderem wurde eine Brücke gebaut, ein Stadtteil kanalisiert und das Rathaus konnte renoviert werden. Die Arbeitskräfte wurden mit dem Wörgler Geld bezahlt und konnten damit in den Geschäften Lebensmittel, Kleidung usw. einkaufen. Die Geschäftsleute wiederum konnten ihre Steuern damit an die Gemeinde entrichten. So war der Geldkreislauf geschlossen. Durch eine monatliche Gebühr von 1% auf die Geldscheine wurde eine Umlaufsicherung garantiert und verhinderte das jemand das Geld absichtlich zurück hielt. Die Gebühr wurde durch eine Marke, die auf die Scheine zu kleben war, bezahlt und kam dem Armenfonds zugute. Schon nach kurzer Zeit flossen die ausgegebenen Scheine in die Gemeindekasse zurück. Das Geld stand sofort wieder für neue Maßnahmen zur Verfügung. Innerhalb nur eines Jahres sank die Arbeitslosigkeit in Wörgl um 25%, obwohl sie im gleichen Zeitraum in ganz Österreich um weitere 10% zunahm. Der Erfolg dieses Experiments wurde weit über Österreich hinaus bekannt. Trotz, oder greade wegen seines Erfolges, wurde das Experiment nach einem Jahr verboten.

Auch in Deutschland gab es solche Selbsthilfe-Aktionen. 1929 wurde die „Wära-Tauschgesellschaft“ gegründet, zunächst zur Erleichterung des Waren- und Leistungsaustausches unter ihren Mitgliedern. Sie gab „Wära“-Tauschbons heraus, die einen vergleichbaren Wert hatten wie die damalige Reichsmark. Auch diese Tauschbons waren, im Sinne des Freigeldes-Prinzip, umlaufgesichert. Durch eine monatlich zu entrichtende Gebühr konnten sie von niemanden zurückgehalten werden. Mit Hilfe eines zinslosen „Wära-Kredits“ konnte u.a. ein Kohlebergwerk in dem kleinen niederbayerischen Ort Schwanenkirchen wiedereröffnet werden. Das Kohlebergwerk war geschlossen worden weil, ähnlich wie heute, die ausländische Kohle billiger war. Mitten in der Wirtschaftskrise konnten 60 Bergleute eingestellt werden. Sie wurden zu 90% in Wära entlohnt. Nach einiger Zeit, trotz anfänglichen Zögern, akzeptierten die örtlichen Geschäftsleute das ungewöhnliche Zahlungsmittel, auch andere umliegende Orte schlossen sich dem Experiment an. Dennoch verbot das Reichsfinanzministerium, im Zusammenhang mit den Brüningschen Notverordnungen, am 30. Oktober 1931 das Wära-Experiment.

Solche Expermimente lassen sich auch leicht zu Hause nachvollziehen. Man versuche beispielweise das bekannte Spiel „Monopoly“ zu spielen und die Zielbedigungen umzudrehen, Ziel soll es nicht mehr sein sein die Gegner auszustechen, sondern sich gegensetig zu fördern, im Sinne des Gemeinwohls. Immer wenn ein Spieler über „Los“ kommt muss eine 1-prozentige Steuer gezahlt werden, Kredite ohne eine Zinsgebühr sind erlaubt. Auch für Besitz muss eine regelmäßige Steuer entrichtet werden. Man wird sehen das die Spieler auf einmal bedachter reagieren, ein wildes Aufkaufen ist kaum mehr präsent. Ärmeren Spieler wird gerne mit einer Finanzspritze geholfen, umgeht man doch so die lästigen Steuern.  Diese Partie Monoply wird vermutlich die längste sein die man je erfahren hat und dreht das Prinzip des Spiels, einen „monopolistischen Kapitalismus“ aufzubauen um.

Vielleicht ist die Lösung für viele unserer Gesellschafts-Probleme einfach als wir denken.

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Zitate:

Ich glaube, daß die Zukunft mehr vom Geiste Gesells als von jenem von Marx  lernen wird. -John Maynard Keynes

Die ganze Erdkugel, so wie sie da im prächtigen Flug um die Sonne kreist, ist ein Organ eines jeden einzelnen Menschen. Dürfen wir nun gestatten, dass einzelne Menschen Teile dieser Erde als ausschließliches und ausschließendes Eigentum in Beschlag nehmen? … Den Schwarzen, den Roten, den Gelben, den Weißen  – allen ohne Ausnahme gehört die Erde, ungeteilt. -Silvio Gesell

Reichtum und Armut sind gleichmäßig verkehrte Zustände. Sie gehören nicht in einen geordneten Staat. Sie sind mit dem Bürger- und Völkerfrieden unvereinbar. … Armut ist eine Kette und Reichtum ist eine Kette. Und der Anblick von Ketten muss jedem Freien ein Gräuel sein. Wo er sie sieht, muss er sie brechen. – Silvio Gesell

Wenn wir unfähig bleiben, die Aufgabe, die uns gestellt wurde, zu lösen …, wird die Regierung von links nach rechts und von rechts nach links pendeln. Und jeder Pendelschlag wird die Verwirrung, die Hilf- und Ratlosigkeit vermehren. -Silvio Gesell

Es ist ein Klassenkampf, meine Klasse gewinnt, aber sie sollte das nicht -Warren Buffett

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