Zeitumstellung abschaffen!

Am Sonntag werden wieder einmal die Uhren umgestellt, die Normalzeit wird eine Stunde vorgedreht. Doch warum das Ganze?

Ursprünglich erfunden wurde die Sommerzeit wohl von Benjamin Franklin, in der Hoffnung dadurch Kerzen zu sparen. Mitten im Ersten Weltkrieg, vom 30. April bis zum 1. Mai 1916, stellten Deutschland und Österreich ihre Uhren vor. Frankreich, Italien, Belgien, Dänemark, die Türkei und weiterere europäischer Staaten folgten dem Beispiel sofort. Drei Wochen später führte schließlich auch Großbritannien die Sommerzeit ein.  Doch die Idee stellte sich als Fehlschlag heraus, zu gering ist der Anteil des elektrischen Lichts am Energieverbrauch. Und so schafft Deutschland die Sommerzeit nach dem Ersten Weltkrieg wieder ab – um sie schließlich im nächsten Weltkrieg wieder einzuführen. Neun Jahre blieb diese Regelung in Kraft, von 1940 bis 1949. In der Sowjetisch Besetzten Zone wurden die Uhren 1945 sogar um zwei Stunden vorgestellt.

Nach den Gründungen von Bundesrepublik und DDR ist mit der Zeitumstellung in Deutschland zunächst Schluss. Als Frankreich die Sommerzeit in der Ölkrise von 1973 wieder einführt, zieht Deutschland nicht mit. Die Bundesregierung will verhindern, dass die westdeutschen Uhren anders gehen als die in der DDR. Sieben Jahre später führen die beiden deutschen Staaten jedoch die Sommerzeit gleichzeitig ein. Hauptargument ist diesmal nicht die angebliche Energie-Ersparnis, sondern vielmehr die „Harmonisierung“ der europäischen Uhrzeit. Von Harmonie kann jedoch noch keine Rede sein, alle EG-Staaten stellen ihre Uhren zu unterschiedlichen Terminen um. Erst 1996 werden diese Termine gemeinsam angeglichen. Seither werden die europäischen Uhren alljährlich am letzten Sonntag im März um 2.00 Uhr morgens um eine Stunde vorgestellt. Die Rückkehr zur winterlichen Normalzeit findet am letzten Sonntag im Oktober statt. Dann wird um 3.00 Uhr die Uhr um eine Stunde zurückgestellt.

Dadurch geht die Sonne in Europa zwischen März und Oktober eine Stunde später unter, dummerweise geht sie auch eine Stunde später wieder auf. In dieser einen vorgestellten Stunde wird an den kalten Morgen im März und April, im September und Oktober verstärkt geheizt. Von Energieersparnis kann also keine Rede sein. Tatsächlich bringt die Umstellung auf „Sommerzeit“ nur Nachteile mit sich. Die Leute werden aus ihrem Schlafrythmus gerissen, bis hin zu „MiniJet-Lags“. Die Verspätung auf Arbeitsplätzen fallen in den ersten 2 Wochen nach der Zeitumstellung um etwa 3% höher aus, da einige Menschen eine gewisse Zeit brauchen um die Zeitumstellung körperlich zu verarbeiten. Statistiken zeigen, dass durch die Zeitumstellung zwischen 8,5 und 12 Prozent mehr Menschen einen Arzt aufsuchen, wobei die Anpassung an die Sommerzeit besonders schwierig ist. Und auch in den Schulen macht sich die Unkonzentriertheit von Schülern bemerkbar, insbesondere in den Sonderschulen da Autisten, Epileptiker, Down-Syndrom-Schüler u.ä. oft stärker von der Gleichmässigkeit des Tages abhängig sind.

Da die Sommerzeit keinerlei Energie spart, sondern eventuell sogar einen höheren Energieverbrauch verursacht, gibt es schon lange kein Argument mehr für die Umstellung auf „Sommerzeit“. Im Gegenteil, die Auswirkungen sind durch und durch negativ, da die Leute völlig aus ihrem Schlafrythmus gerissen werden. Daher gibt es nur eine logische Konsequenz: Die Sommerzeit endgültig abzuschaffen.

Die Postdemokratie und Colin Crouch

Oft kommt die Frage auf warum heutzutage die Politikverdrossenheit in der westlichen Welt immer mehr zunimmt und immer weniger Menschen wählen gehen. Eine umfassende Diskussion über den politischen Zustand unserer westlichen Demokratie kommt heutzutage nicht mehr um die Analyse der Postdemokratie von Colin Crouch herum. Im folgenden Artikel sollen die Fragen beantwortet werden was die sogenannte Postdemokratie ist und in wie fern sie sich von einer klassischen Demokratie unterscheidet.

Crouch eigene Defintion der Postdemokratie lautet wie folgt:

„Der Begriff bezeichnet ein Gemeinwesen, in dem zwar nach wie vor Wahlen abgehalten werden, Wahlen, die sogar dazu führen, dass Regierungen ihren Abschied nehmen müssen, in dem allerdings konkurrierende Teams professioneller PR-Experten die öffentliche Debatte während der Wahlkämpfe so stark kontrollieren, dass sie zu einem reinen Spektakel verkommt, bei dem man nur über eine Reihe von Problemen diskutiert, die die Experten zuvor ausgewählt haben. Die Mehrheit der Bürger spielt dabei eine passive, schweigende ja sogar apathische Rolle, sie reagieren nur auf Signale, die man ihnen gibt. Im Schatten dieser politischen Inszenierung wird die reale Politik hinter verschlossenen Türen gemacht: von gewählten Regierungen und Eliten, die vor allem die Interessen der Wirtschaft vertreten.“

Über die Wahlen in der Postdemokratie sagt Crouch folgendes:

„Wahlen werden zu Wettkämpfen um ‚Markennamen’, sie geben den Menschen nicht länger die Gelegenheit, sich bei den Politikern über die Qualität öffentlicher Leistungen zu beschweren. Es mag übertrieben klingen, doch dieses Szenario stellt lediglich die Fortsetzung eines Prozesses dar, an den wir uns inzwischen so sehr gewöhnt haben, dass wir ihn nicht einmal bemerken: Die Annäherung demokratischer Wahlen – die eigentlich den Kern der staatsbürgerlichen Rechte ausmachen – an Marketingkampagnen, die relativ offen auf manipulative Techniken setzen, um Waren zu verkaufen.“

Colin Crouch beschreibt die Postdemokratie also als ein System in dem zwar sowohl faktisch und formell eigentlich noch alle Eigenschaften einer Demokratie erfüllt werden. Aber der eigentliche Grundgedanke der Demokratie, die Herrschaft des Volkes, geht in diesem System dennoch unter und zwar dadurch das die Bürger nur das vorgesetzt bekommen was auch so gewollt ist oder notwendig geworden ist. Im Wahlkampf z.B. gibt es eine bestimmte Reihe von politischen Fragen durch die Parteien sich porfilieren, dabei kommt es jedoch nur auf die Wirksamkeit des Profils an und nicht auf die Dringlichkeit der Fragen. Der große Teil der Bürger reagiert nur noch auf die von „oben“ erlassenen politischen Fragen und richtet an ihnen sein politisches Engagement und seine Wahlentscheidung aus. Doch diese Inszenierung dient nur dafür, dass die eigentlichen wichtigen Entscheidungen hinter dem Rücken des Bürgers von Wirtschaftseliten und Regierungen getroffen werden. Wahlen werden dabei zu Streit um Marken: „Wer hat die schönere Werbung? Das bessere Marken-Gesicht bzw. Parteivorsitzenden? Wer wirkt sympathischer?“

So weit die Defintion von Colin Crouch. Diese Defintion deckt sich auffällig mit Überzeugungen die man auch bei einfachen Bürgern in Phrasen wiederfindet wie „Die da oben machen doch eh was sie wollen, es ist egal wer an der Macht ist“.

Wenn man nur einen ganz kurzen Augenblick nachdenkt fallen einem schon sehr schnell Beispiele in Deutschland für solche irrelevanten Themen die Colin Crouch nennt, diese Themen sind keine Produkte seiner Fantasie sondern die Realität. Man denke nur darüber nach wie viel Wirbel bei der Diskussion um den „Veggieday“ gemacht wurde. Der Veggieday ist völlig irrelevant für unsere politische Realität, weder kann man damit wirklich etwas gegen die Massentierhaltung erreichen, noch schränkt er bedeutend den Klimaerwandel ein und auch die Freiheit der Fleischkonsumenten war dadurch nie ernsthaft bedroht. Kurz gesagt: Der Veggieday ist politisch ähnlich bedeutend wie der berühmte Sack Reis der in China umfällt. Ein weiteres solches Thema, das zugegebenermaßen für die Deutschen einen Sonderrang in der westlichen Welt darstellt, ist das Tempolimit auf Autobahnen. Das Tempolimit auf Autobahnen mag eventuell Unfallraten reduzieren und CO²-Ausstoß absolut minimal verringern und auf der Gegenseite schränkt es minimal die Freiheit der Autofahrer ein, aber in echt ist auch dieses Thema völlig irrelevant da die realen Auswirkungen, wie bereits gesagt, minimal sind. Allerdings ist dieses Thema für Deutschland, dem Land der Autos, natürlich ideal, unglaublich viele Emotionen kochen hoch, es ist, wie in der Heute Show richtig bermerkt, ähnlich skandalös wie in den USA zu fordern das Kinder keine halbautomatischen Waffen mehr tragen dürften. Bei all den Emotionen vergessen die Leute dann politische Themen die von Bedeutung sind. Es gibt noch viele weitere Themen die in der Öffentlichkeit wie z.B. Rauchverbote die die Arbeitsumgebung für einige Leute in der Gastronomie minimal verbessern auf der anderen Seite die Freiheit der Raucher minimal einschränken, aber für die Realität als solche wenig Bedeutung haben.

All diese Themen werden medial absolut hochgekocht und auch von den Politikern nur allzu gerne aufgegriffen. Diesen Themen sollte natürlich nicht sämtliche Existenzberichtigung entzogen werden, aber man sollte schon ihren eigentlichen Platz in der Politik kennen, es sollten eigentlich Randthemen sein und keine Themen mit denen zahllose Debatten ausgetragen und Wahlkämpfe entschieden werden. Eigentliche wichtige Themen wie die Einführung der Volksabstimmung auf der Bundesebene, Finanzpolitik in Zeiten von Finanz- und Währungskrisen oder Außenpolitik rücken zu Gunsten der Randthemen in den Hintergrund.

Crouch beschreibt in seiner Analyse sehr genau wie die westliche Demokratie derzeit nach und nach verfällt. Ein wesentliches Element dieses Verfalls ist der gestiegene Einfluss von Lobbys, PR-Experten und von Korruption. Die neoliberale Wirtschaftsideologie, vom „freien Markt“, ist in der politischen Logik angekommen. An Stelle von politischen Inhalten setzt man auf sympathische und fotogene Spitzenkandidaten. Und zu Gunsten der Inhalte rücken diese Kandidaten auch ins Zentraum der Medien, über ihr Privatleben wird fast ähnlich berichtet wie über Teeniestars oder Adelshäuser in Illustrierten (Schröders gefärbte Haare, Sexskandale von Berlusconi oder Boetticher). In diesem Kontext werden auch Schmutzkampagnen zum festen Bestandteil politischer Strategie. PR-Experten versuchen das Image der KandidatInnen wie der Parteien brauchbar für Werbekampagnen zu machen, denn Werbung will keine Diskussionen auslösen, sondern Produkte verkaufen. All diese medialen Inszenierung finden zu Ungunsten der eigentlichen politischen Themen statt, die sowieso schon zu Teilen von den unrelevanten Themen verdrängt worden sind.

Vor allen Dingen der Begriff des Klassengegensatzes ist für Coruch sehr wichtig. Er kritisiert offen, dass die Diskussionen um den Klassengegensatz, also die Schere zwischen arm und reich nahezu verschwunden sind. Über Umverteilung wird kaum noch in der Politik gesprochen und vor allen Dingen grundsätzliche Lösungen werden nicht mehr angeboten. Das Verschwinden des Klassenbegriffes und der steigende EInfluß der Wirtschaft sind laut Coruch die entscheidenden Faktoren für die Postdemokratie. Als typischen Prototyp einer postdemokratischen Partei nennt er die Partei Berlusconis, in der sowohl starker Wirtschaftseinfluß, als auch das Verschwinden von Themen zu Gunsten charismatischer Spitzenpolitiker, vorherrscht.

Coruch zeichnet mit seinen eine simple, aber überzeugende Analyse der Postdemokratie. Das vieles von den Eigenschaften einer Postdemokratie bereits auf unsere heutige politische Landschaft zu trifft ist Realität und wirkt ernüchternd. Aber Coruch nennt auch Gegenstragien. Crouch schlägt eine Begrenzung des Einflußes der Wirtschaft und des Neoliberalismus vor. Weiter fordert er die Stärkung der Rechte der Bürger an der politischen Teilhabe und fordert dazu auf sich selbst in politischen Parteien einzubringen um wieder Inhalte in den Vordergrund zu stellen.

Literatur:

Colin Crouch: Postdemokratie.  2008.

Der Anarchismus in Spanien

Der Film behandelt die Spanische Revolution und wirft einen Blick auf die anarchistische Bewegung in Spanien. Der Film zeigt bislang wenig bekannte Seiten der radikalen gesellschaftlichen Veränderungen, die sich während des Bürgerkriegs von 1936 bis 1939 in jenen Gebieten zutrugen, die in der Hand der Republikaner waren

Warum ein bedingungsloses Grundeinkommen?

Unter dem „Bedingungslosen Grundeinkommen“ wird allgemein eine monatliche Zahlung des Staates an jeden einzelnen Bürger verstanden. Diese Zahlung reicht aus, um die notwendigsten Grundbedürfnisse zu befriedigen (also Wohnung, Nahrung, Gesundheit etc.) und ist an keine Gegenleistung gebunden. Das bedeutet, dass jeder Bürger dieses Grundeinkommen bekommt – egal ob er arbeitet oder nicht.

Das Hartz 4-Konzept und seine Repressionen sind in Deutschland umstritten. Für viele Leute ist es nicht nachvollziehbar, dass sie selbst nach jahrelanger Erwerbstätigkeit den Ämtern Einsicht in all ihren „relevanten“ Besitz geben müssen und jedes Arbeitangebot, und sei es zu noch so schlechten Bedigungen, annehmen müssen. Denn ansonsten wird gekürzt, im schlimmsten Fall auf Null. Die geringen Leistungen und der hohe Druck eine Stelle zu finden führen mitunter oft zu einem Ausschluss vom gesellschaftlichen Leben. Das bedingungslose Grundeinkommen stellt eine Existenzsicherung für jeden Menschen dar, ohne das dieser sich für dessen Bezug rechtfertigen muss. Die derzeitige, teure Kontrollbürokratie wird gänzlich gestrichen, zu Gunsten eines Einkommens das jeder bekommt, bedingungslos, ob er arbeitet oder nicht. Das BGE gewährt jedem die Chance auf völlige Freiheit der Jobwahl, niedrigbezahlte Arbeitsstellen sind dadurch im Zugzwang attraktiver für die Bürger zu werden, durch bessere Arbeitsbedinungen und Bezahlung.

Die einzigen Argumente gegen das BGE sind bis heute die angebliche schwere finanzielle Realisierbarkeit, die man mit einer gleichzeitigen Umverteilung von oben nach unten (durch z.B. Vermögenssteuer) und dem Wegfall der Kontrollbürokratie jedoch vermutlich leichter erreichen könnte als oft vermutet wird. Außerdem ist der Ober- und Mittelschicht bereits heute ein Steuerfreibetrag zugesichert, der nur durch das BGE ersetzt würde. Ein weiteres Gegenargument ist die Horrorvision vom angeblichen „Hängematten“-Staat in dem keiner mehr arbeiten würde, die meisten Menschen jedoch geben meist an auch nach Einführung des BGE’s weiterarbeiten zu wollen, das eigentliche Problem ist hier bloß das Misstrauen gegenüber „den anderen“, den man den selben Fleiß nicht zutrauen will. Dabei verschließt man gleichzeitig die Augen davor, dass schon seit Jahrzehnten keine Vollbeschäftigung erreicht werden konnte, hauptsächlich verschuldet durch den technologischen Wandel der auch heute immer weiter voranschreitet und Arbeitsplätze wegrationalisiert. So oder so ist also nur eine Frage ob man weiterhin die Reatlität verleugnet und Leute versucht in Arbeit zu zwingen die gar nicht im ausreichende Maße vorhanden ist oder ob man die gesellschaftliche Realität akzeptiert und den Leuten ihre Existenzsicherung ohne Bedingung zugesteht.

Literatur und Links:

Fakten zu Kuba

– Kuba ist das einzige Land der Welt ist, das nach WWF-Kriterien eine nachhaltige Entwicklung aufweist
nur in Kuba ist das Verhältnis zwischen Lebensqualität (gemessen nach dem UNO-Index) und Pro-Kopf-Verbrauch an Ressourcen (ökologischer Fußabdruck) so, dass es zukunftsweisend für das Überleben der Menschheit sein kann.
– Kuba ist das einzige Land Lateinamerikas, dass die Mangelernährung bei Kindern ausgerottet hat.
– Kuba weist mit aufgerundenten 78 Jahren die höchste Lebenserwartung aller Drittweltländer auf
– Die Kindersterblichkeit in Kuba ist mit 4,7 pro Tausend die niedrigste in Lateinamerika
– Kuba hat laut UNO weltweit eines der besten Gesundheitssysteme. Es ist öffenttlich, kostenlos und allumfassend.
– Die Bildung in Kuba  ist von der Grundschule bis zur Universität völlig kostenfrei
– Kubas Schüler schnitten in einer UNESCO-Studie, in der 16 lateinamerikanische Länder untersucht wurden, am besten ab und selbst die schwächsten Schüler waren noch besser als der lateinamerikanische Durchschnitt
– Kuba stellt mit 3.000 Ärzten die meisten Mediziner für die UNO-Kampagne gegen AIDS zu Verfügung, ohne Kuba müsste die Kampagne fallen gelassen werden, da Europa und die USA insgesamt nur 1000 Ärzte zur Verfügung stellten
– 31.000 kubanische Ärzte arbeiten in 97 Ländern der Erde
– Kuba hat seit 1990 über 24.000 Opfer der nuklearen Katastrophe von Tschernobyl kostenlos medizinisch behandelt

Weiterführende Links:

„Legalize it!“ Warum Cannabis legalisiert werden muss

Cannabis wird in China seit etwa 5000 Jahren und seit etwa 3000 Jahren angebaut in Europa. Seit dieser Zeit wird es auch schon konsumiert. Kaum ein Land der Erde besitzt nicht auch eine Cannabis-Tradition. Niemals hat es wirklich relevante Sucht-Probleme mit den Konsumenten gegeben. Die Schwierigkeiten resultieren seit jeher vorwiegend aus dem Verbot und der Verfolgung der Konsumenten in den heutigen Staaten. Cannabis und Haschisch sind eines der ältesten Genussmittel und in fast allen Kulturen integriert.

Die meist genannte Antwort darauf warum Cannabis immer noch verboten ist, ist die das Cannabis angeblich eine Einstiegsdroge sei. Doch diese These ist auf so viele unterschiedliche Arten und Weisen falsch. THC, der psychoaktive Wirkstoff in Cannabis und Haschich kann keine körperliche Sucht hervorrufen, im Gegensatz zu den völlig legalen Drogen Alkohol und Nikotin. Und wer Cannabis konsumiert wird wohl auch kaum dadurch automatisch süchtig nach Heroin oder Koks. Nein, Cannabis kann lediglich ein Einstieg in den Drogenschwarzmarkt bedeuten. Dies liegt jedoch nicht an der Substanz, sondern an dem Verbot. Das Verbot von Cannabis als Droge bringt seinen Konsumenten auf dem Drogenschwarzmarkt einfach in die Nähe von harten Drogen. Das Drogengeschäft wird von Leuten kontrolliert, die nur an den „harten“ Drogen wirklich etwas verdienen. Cannabis wird angeboten, weil es so beliebt bei den Kunden ist, der Gewinn selber ist eher gering. Alle Cannabis Konsumenten kommen somit regelmäßig mit harten Drogen in Berührung. Wäre Cannabis legal zu erhalten, würden große Teile des illegalen Drogenhandels verschwinden. Die Niederlande beispielsweise würden ihre Coffeeshop Regelung niemals aufgeben, weil gerade die Trennung der Märkte damit erfolgreich umgesetzt wurde. Und andererseits, welcher Cannabiskonsument hat den vor seinem ersten Joint noch nie eine Zigarette geraucht? Wäre da nicht eher der legale Tabak die eigentliche Einstiegsdroge?

Um mehr Gewinn aus dem Drogengeschäft zu holen werden Cannabis und Haschisch oft mit Substanzen wie Sand, Glas, aber auch Schuhcreme oder sogar Blei (!) gestreckt. Da es sich sowieso um einen völlig illegalisierten Markt handelt herrschen beim Strecken der Droge sehr wenig Skrupel. Die Nebenwirkungen die bei dem Konsum von gestrecktem Cannabis einhergehen sind oft enorm (z.B. Bleivergiftung) und werden zu Unrecht häufig dem Cannabis selber zugerechnet.  Es gibt keine Qualitätskontrollen und keinen Verbraucherschutz, wo durch unerfahrene Konsumenten oft Cannabis das mit besagten Giften gestreckt ist konsumieren. Verschlimmert wird dieser Zustand durch die Regelung, dass ein Händler, falls er erwischt wird, nach dem prozentualen THC-Anteil der Droge verurteilt wird. Je miserabler die Qualität des beschlagnahmten Stoffes, desto milder die Strafe. Das gesundheitsgefährdende Strecken mit z.B. Chemikalien wird dadurch auch noch belohnt.

Sechzig Prozent aller Gefängnisinsassen in Deutschland sitzen wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittel Gesetz im Gefängnis. Die meisten davon wegen Cannabis. Die Fülle der Verfahren wegen Cannabisbesitz belasten Gerichte und Gefängnisse völlig unnötig. Polizisten, Staatsanwaltschaften, Gerichte und Gefängnisse könnten sich um tatsächlich wichtige Verbrechensbekämpfung wie Steuerhinterziehung, Korruption, Gewalt oder Umweltverschmutzung kümmern wenn Cannabis legalisiert würde. Zusäzlich würde der Staat auch völlig neue Einnahmequellen durch die Besteuerung von Cannabis erschließen.

Drogen sind nicht ihrer tatsächlichen Gefährlichkeit nach in legal und illegal eingeteilt. Politische, traditionelle und wirtschaftliche Gründe waren und sind seit jeher ausschlaggebend. Deshalb sollte man endlich aufhören die Konsumenten von Cannabis zu kriminalisieren und stattdessen die Märkte zu Gunsten von Verbraucherschutz, Jusitzauslastung und Steuereinnahmen für Cannabis öffnen.

Das Recht auf Waffen

Deutschland hat schlechte Erfahrungen mit staatlicher Schusswaffenkontrolle gemacht. Etwa mit dem Reichswaffengesetz von 1938, in dessen Folge Sinti, Roma, Homosexuelle und Juden kategorisch entwaffnet wurden. Und auch Frankreich hatte das Pech das 1935, kurz vor dem Einmarsch der Nationalsozialisten die Waffengesetze verschärft wurden, weshalb kaum noch Waffen in Besitz waren als die Nationalsozialisten die Macht übernahmen.

Die staatliche Verfolgung der Minderheiten wäre vielleicht anders verlaufen, hätte die Mehrheit in bester bürgerlicher Manier auf dem Recht zum Tragen von Waffen beharrt. Möglicherweise wäre auch die so folgenreich gescheiterte demokratische Revolution von 1848 in Deutschland geglückt, hätte es im Vorfeld liberalere Waffengesetze gegeben.

Bei Waffenrechtsdiskussionen treffen im wesentlichen zwei Haltungen aufeinander, die leider kaum Kompromisse ermöglichen und unterschiedlicher nicht sein könnten. Waffen werden meist als Instrumente zur Herstellung von Macht, zur Ausübung von Gewalt und zur Selbstverteidigung gesehen. Dies führt bei Waffengegnern zu Angst und der Überzeugung: Je weniger Waffen es gibt, desto mehr Sicherheit ist gegeben. Die andere Seite will „rechtstreuen“ Bürgern den Waffenbesitz ermöglichen, denn Verbote treffen nur diejenigen, die ihre Waffen legal erwerben und besitzen wollen, nicht aber die Unterwelt.

Gewalt-Verbrechen verkaufen sich gut in Zeitungen und Fernsehen. Aber nicht jedes Verbrechen eignet sich für hohe Verkaufszahlen.
Die Medien berichten meistens über Verbrechen, die eher selten stattfinden, während über die Verbrechen, die am häufigsten stattfinden, nur selten berichtet wird wie z.B. Betrug oder Diebstahl. Dadurch entsteht eine Furcht vor den wenigen Verbrechen über die berichtet wird wie z.B. Amokläufe oder Morde mit Schusswaffen. Amokläufe sind allerdings singuläre Ereignisse, die eine Vielzahl von Hintergründen besitzen. Der Zugang zu Waffen ist allerdings weder deren Auslöser noch deren Grund. Über 50% aller Morde werden mit einem Messer ausgeführt, danach folgen stumpfe Gegenstände und bloße Hände. Schusswaffen werden sehr selten eingesetzt. Durch die Medienberichterstattung wird jedoch die Bevölkerung und die Politik beeinflusst, alles zu unternehmen, damit diese seltenen Verbrechen nicht mehr stattfinden können. Forderungen um die Verbrechen zu verhindern die häufig stattfinden und medial kaum aufgearbeitet werden gibt es allerdings kaum.

Das Recht auf Waffenbesitz geht auf den liberalen Theoretiker John Locke zurück, der dem Bürger, etwa im Unterschied zu Thomas Hobbes, ein Recht auf Selbstverteidigung gegenüber dem Staat zugestand: „Muss sich das Volk der Tyrannei ausliefern?“, schrieb er. „Selbstverteidigung ist ein Teil des Naturrechts; sie darf der Gemeinschaft nicht verweigert werden, nicht einmal gegen den König selbst.“

Etwa hundert Jahre nach der Niederschrift dieser Sätze bezogen sich die Gründerväter in der Unabhängigkeitserklärung auf sie, legten unveräußerliche Rechte fest und schrieben, „dass, wenn eine Regierung sich für diese Zwecke als schädlich erweist, es das Recht des Volkes ist, sie zu ändern oder abzuschaffen.“

Obwohl es zunächst den Anschein hat, als sei damit nur die Verteidigung gegen fremde Mächte gemeint, ist im Kontext des Unabhängigkeitskriegs klar, dass eben auch Bedrohungen von innen gemeint sind. Oder besser: von ganz oben. Wie ähnliche Verordnungen im Zuge der Französischen Revolution ist der „Second Amendment“ eine Art Widerstandsparagraf, der zudem die Bedingung des Widerstands garantiert – nämlich Waffen zu besitzen und sich in ihrem Gebrauch zu üben.

Ob es am „Second Amendment“ lag, dass die USA – im Unterschied zu vielen der europäischen Staaten mit strikteren Waffengesetzen – bisher keinem Totalitarismus anheim fielen, kann man nicht sicher wissen. Allerdings lässt sich das Selbe Schema innerhalb der Schweiz wieder finden, ein Land mit einer langen liberalen Waffentradition, aber ohne jede Totalitarismus-Geschichte.

Dem Recht auf Waffenbesitz liegt die liberale Utopie zu Grunde, dass die Gesellschaft vom freien Willen Einzelner abhängt und dass man einander auch in Fragen von Leben und Tod vertraut. Auf der Autobahn wird dieses Prinzip völlig selbstverständlich akzeptiert. Nur wenige haben Angst auf der Autobahn zu fahren, obwohl andere mit ihrem Auto unverantwortlich umgehen könnten und z.B. noch betrunken oder völlig übermüdet fahren könnten. Privaten Waffenbesitz kategorisch abzulehnen, ist daher eine politische Geste, bei der es darum geht, autoritären Kontrollmechanismen gegenüber dem liberalen Prinzip den Vorzug zu geben.