Warum Schottland unabhängig sein will.


Am 18. September dieses Jahres stimmen die Schotten über die Zukunft ihres Landes ab: Sie stehen vor der Wahl ob sie weiterhin im britischen Königreich verbleiben wohlen oder Schottland ein unabhängiger Staat werden soll.

Seit 1707 ist Schottland ein Landesteil Großbritanniens und dennoch fühlen sich viele der heute rund fünf Millionen Schotten nicht als Briten. Sie berufen sich auf ihre eigenständige Geschichte und Kultur, sind stolz auf die eigene Nationalflagge und die eigenen Nationalmannschaften. König Robert I. The Bruce gilt in Schottland als unvergessener Nationalheld, weil er im Jahr 1314 mit seinem Heer die nationale Unabhängigkeit von England errang. Als Schande widerum gilt unter den schottischen Patrioten die Entscheidung der schottischen Adligen zu Beginn des 18. Jahrhunderts, in einer Zeit großer wirtschaftlicher Not die politische Einheit mit England zu schmieden. Schließlich kam der Unionsvertrag gegen den Widerstand der Mehrheit der schottischen Bevölkerung zu Stande.

Der Wunsch nach Selbstbestimmung aber blieb im Norden des Vereinigten Königreichs erhalten: Auf Drängen der Schotten gewährte die Londoner Zentralregierung immer wieder neue Selbstbestimmungsrechte. Im Jahr 1997 stimmten fast 75 Prozent der Schotten für ein eigenes Parlament, das am 30. Juni 1999 zusammentrat, zum ersten Mal nach fast 300 Jahren.

94% des britischen Ölvorkommens befindet sich an den Küsten Schottlands, doch den darauß generierten Reichtum muss Schottland zum größten Teil an die Zentralregierung in London abgeben. Käme die Unabhängigkeit, so die Argumentation der schottischen Seperatisten, könnte sich das Land allein in den nächsten fünf Jahren auf rund 54 Milliarden Pfund, also etwa 64 Milliarden Euro, Staatseinnahmen freuen.

Während die Engländer als Anhänger der Atomkraft gelten und trotz Wirtschaftskrise Milliardensummen für die Modernisierung ihrer Atomwaffen investieren wollen, zeigen sich die Schotten meist wenig begeistert von solchen Plänen. Schon heute empfinden sie es als besondere Zumutung, dass die vier britischen Atom-U-Boote mit (teilweiser) nuklearer Bewaffnung in Schottland stationiert sind. Die SNP signalisierte bereits, dass Schottland im Falle der Unabhängigkeit darauf drängen werde, dass England alle Atomwaffen abzieht. Außerdem wolle man im Falle der Unabhängigkeit sich als kooperationsbereiteres EU-Mitglied engagieren und die europäiische Integration voran treiben, verspricht die seperatistische SNP. Vollmundig sagte Salmond der Nachrichtenagentur AFP, Schottland wäre ein „deutlicher nach außen gerichteter EU-Mitgliedstaat“ als Großbritannien dies zuletzt gewesen sei. Mit Seitenhieb auf London sagte er, Probleme in der EU müssten die Mitgliedsstaaten gemeinsam lösen, „statt ständig damit zu drohen, mit der Faust auf den Tisch zu hauen“.

Umfragen zu Folge liegt die Zahl der Befürworter des Seperatismus in Schottland bei etwa 30-39%, während die Zahl der Ablehner bei etwa 50% liegt, der Rest ist noch unentschieden. Heißt: Noch stehen die Chancen auf die schottische Unabhängigkeit schlecht, allerdings könnte sich das Blatt bis zum September noch wenden.

 

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