Moodys stuft Kubas Kreditwürdigkeit herab – trotz Energiesparprogrammen


Die Ratingagentur Moody’s hat die Kreditwürdigkeit Kubas von Caa1 auf Caa2 herabgestuft, also von »hochgradig spekulativ« auf »exotisch«. Dieser Schritt wurde mit dem Risiko einer „abrupten und politisch ungeordneten Transition“ begründet. Vor allem aber auch mit der derzeitigen unübersichtlichen Lage in Venezuela. Ein möglicher Kollaps in Venezuela mache Kuba verwundbar: „Angesichts der zunehmenden und nicht nachhaltigen makroökonomischen Ungleichgewichte in Venezuela und des hohen Risikos eines wirtschaftlichen und finanziellen Zusammenbruchs, ist die Zukunft der Zusammenarbeit ungewiss, was Kuba anfällig macht für eine scharfe Anpassung der Kosten für seine Energieimporte“, heißt es in der Erklärung.

Kuba bezieht bisher über das Petrocaribe-Abkommen venezolanisches Erdöl zu günstigen Preisen. Moody’s schätzt, dass Kuba im Jahr 2012 Erdöl im Wert von 6,5 Milliarden US-Dollar aus Venezuela importierte, das wären 47 Prozent aller Einfuhren.

Die Herabstufung überrascht, denn seit Jahren versucht Kuba, über Sparprogramme seinen Energiebedarf zu drosseln und die Abhängigkeit von den fossilen Energieträgern zu verringern. Erst im April bildeten Vertreter der Nichtregierungsorganisationen „Asociacion Cubana de las Naciones Unidas“ (ACNU) und „Cubasolar“ eine Arbeitsgruppe, die den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreiben soll. Diese machen derzeit fünf Prozent des kubanischen Energiehaushalts aus (zum Vergleich: In Frankreich beträgt der Anteil etwa 11% und in Deutschland etwa 24%). Davon wiederum seien über 90 Prozent Biokraftstoffe, die aus Nebenprodukten der Zuckerindustrie gewonnen würden, sagte Cubasolar-Vize Julio Torres der Tageszeitung „Granma“. Darüber hinaus bestünde vor allem bei der Energiegewinnung aus Wasser, Wind und Sonne noch sehr viel Potenzial. In den vergangenen Jahren hat Kuba systematisch in diese Bereiche investiert, mehrere Windparks und Solarkraftwerke wurden gebaut.

Bereits 2006 hatte der damalige Präsident Fidel Castro eine sogenannte „Energierevolution“ ausgerufen. Im Fernsehen verkündete er: „Wir warten nicht, bis Treibstoff vom Himmel fällt, denn wir haben etwas Wichtigeres entdeckt: Energie sparen. Das ist so, als würde man auf ein riesiges Ölvorkommen stoßen.“ In der Folge dieses Aufrufes wurden in Millionen privaten Haushalten, Behörden und Fabriken Glühbirnen durch Energiesparlampen ersetzt, über zwei Millionen stromfressende Kühlschränke, eine Million Ventilatoren, 180 000 Klimaanlagen und 260 000 Wasserpumpen entsorgt. Subventionierungen des Stromverbrauchs wurden schrittweise abgebaut.

Die trotz des Ausbaus der Erneuerbaren sowie der Energiesparprogramme bestehende hohe Abhängigkeit von fossilen Energieträgern bleibt zwar problematisch, trotzdem scheint die Entscheidung von Moody’s in erster Linie einen ideologischen Anstrich zu haben. Denn seit dem Amtsantritt von Raúl Castro hat die kubanische Regierung viele Maßnahmen in die Wege geleitet, die mehr Flexibilität und wirtschaftliche Öffnung bringen sollen. So versucht die Regierung in Havanna mit der Einrichtung der Sonderwirtschaftszone in Mariel und dem Ende März beschlossenen neuen Gesetz zu Auslandsinvestitionen ausländische Investoren anzulocken. Ende April kündigte die Regierung zudem neue Gesetze an, die staatlichen Unternehmen „mehr Unabhängigkeit und Autonomie“ verschaffen sollen.

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Quelle:

http://www.neues-deutschland.de/artikel/933558.kubas-energiesparprogramme-beeindrucken-moody-s-nicht.html

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