Der „Killerspiel“-Unsinn und warum sich Unsachlichkeit nicht durchsetzt


Viele Jahren keimte sie immer mal wieder auf: Die Killerspiele-Debatte. Zuletzt keimte die Debatte Ende 2006 auf mit dem erneuten Vorschlag (und konkreten Gesetzesentwurf) von Bayerns Innenminister Beckstein sogenannte „Killerspiele“ zu verbieten. Doch mitlerweile haben sich die Wogen geglättet, kaum ein Politiker versucht noch über das „Killerspiele“-Thema Wirbel um seine Person herum zu erzeugen und auch die Medien haben die tendenzielle und unsachliche Berichterstattung eingestellt, auch weil Videospiele mitlerweile längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. Die „Modern Warfare 2“-Szene bei der ein Massaker an Unschuldigen auf einem Flughafen begangen wird löste nur noch wenig Diskussion um gesetzliche Restriktionen aus. Und auch die jüngsten Amokläufe in Schulen (Realengo,Sandy Hook Elementary School, etc.) feuerten keine erneute Debatte mehr an.

Von Anfang an konnte nie ein wissenschaftlicher und unmittelbarer Zusammenhang zwischen Amokläufen bzw. Gewalt als solcher und Videospielen festgestellt werden. Das selbe auch bei Musik (in den USA wurde nach dem Amoklauf von Columbine beispielsweise die Band Rammstein mitverantwortlich gemacht). Dennoch versuchten Medien immer wieder auf manipulative Weise dem Zuschauer das Bild von Videospielsüchtigen zu vermitteln die irgendwann durch den intensiven Kontakt mit Killerspielen quasi Amok laufen „müssten“. Immer wieder gern wurde auch das Bild vermittelt, dass man am Computer für Amokläufe in irgendeinerweise trainieren könnte. Das die Täter fast immer psyschisch gestörte Außenseiter waren die gemobbt wurden wurde oft nur beiläufig erwähnt und oft wurden für diese Eigenschaften auch die „Killerspiele“ verantwortlich gemacht. Allerdings war das kein Einzelfall: Auch das man genau die selben Gewaltdarstellungen wie in „Killerspielen“ seit Urzeiten in Büchern, Filmen und anderen Medien vorfand, war kein Grund ihnen nicht dennoch die Schuld zu geben. Warum auch mit der kapitalistischen Ellenbogengesellschaft auseinandersetzen wenn man die Schuldigen in der „exotischen“ Subkultur der Gamer finden konnte? Denn für bequeme Schuldzuweisungen waren Massenmedien sich in der Geschichte der Gesellschaft bisher nur sehr selten zu schade.

Das nun (vorerst?) eine sachlichere Auseinandersetzung mit Videospielen vorliegt ist allein ein Resultat darauß, dass Videospiele längst in der Mitte Gesellschaft angekommen sind. Egoshooter sind schon lange nicht mehr nur das Hobby des Klassensonderlings. Denn wie bei allen Lügen der Medien galt auch für die Videospiele das Gleiche: Lügen und Schuldzuweisungen funktionieren nur so lange wie man sich nicht mit scheinbar „Bösem“ und „Schuldigem“ auseinandersetzt. Auch bei Ausländerfeindlichkeit wurde mehrmals festgestellt, dass im Schnitt eher die Leute dazu neigen ausländerfeindlich zu sein die in ihrem unmittelbaren Umfeld kaum Ausländer haben. Ähnlich verhielt es sich auch bei Videospielen: Mitlerweile sind sie das Hobby von Ehemännern, Klassenbesten, Eltern, Lehrern und Sportlern. Die Lüge von schädlichen Videospielen war in dem Moment ausgelöscht wo man genügend Leute in seinem Umfeld hatte die Videospiele spielten und dennoch nicht den Horrorszenarien vom misantophischen, zurückgezogenen Psyschopathen entsprachen.

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