Der Green Economy-Schwindel


Unter Green Economy wird eine an ökologischer Nachhaltigkeit, wirtschaftlicher Profitabilität und sozialer Inklusion ausgerichtete Wirtschaftsweise verstanden. Diese Modell strebt eine neue Ökonomie-Form an die stetiges Marktwirtschaftswachstum mit Umweltschutz verinbar machen soll. Als Vertreter dieses Modells gelten vor allen Dingen die „grünen Parteien“. Im September 2012 haben aber auch das „Bundesministerium für Bildung und Forschung“ und das „Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit“ mit der Konferenz „Green Economy – Ein neues Wirtschaftswunder?“ einen Agendaprozess zur Green Economy gestartet. Partner dieses Agenda-Prozesses sind unter anderem der „Bundesverband der Deutschen Industrie e.V.“, der „Bundesverband deutscher Banken“ und die „Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände“.

Im Groben beinhaltet die grüne Ökonomie unter anderem die Umstellung auf möglichst 100% regenaritiven Energien, einen effizienteren Umgang mit Ressourcen und einen nachhaltigen Recyclingprozess von Ressourcen. Dadurch soll das „ewiges Wachstum“ der Marktwirtschaft mit Umwelt- und Klimaschutz vereinbar bleiben bzw. werden. Dieses Modell liegt natürlich vor allen Dingen im Interesse derer die von der derzeitigen Ökonomie profitieren, wie man an den Partnern des Agenda-Prozesses erkennen kann.

Die absonderliche Vorstellung, dass man Wirtschaftsverbrauch von Ressourcenverbrauch entkoppeln könnte wird meist durch einen Vergleich davon illustriert wie viel Material und Aufwand früher nötig war um einen leistungsfähigen Computer herzustellen, im Gegensatz zur heutigen Effizienz. Wenn man diesen Reduktionsprozess in allen Bereichen umsetzen würde, könnte man das große Ziel der Effizienzsteigerung bei gleichzeitiger Minimalisierung des Ressourcenverbrauches umsetzen.

Die Vertreter der „grünen Ökonomie“ ignorieren in ihrem Modell jedoch die kapitalisitische Produktionslogik. Denn im kapitalistischen System stellt die Effizienzsteigerung nie ein Nullsummenspiel dar, der eingesparte Verbrauch durch Effizienzgewinn würde nämlich umgehend in Mehrproduktion umgesetzt werden. Außerdem führt jede Effizienzsteigerung zunächst immer zu zusätzlichem Aufwand. Die Reduktion von Aufwand wird kompensiert durch neue Produktionsanlagen, neue Infrastruktur usw.. Beispielsweise Elektroautos erfordern, neben einer höchst aufwendigen Speichertechnolgie, auch neue Infrastrukturen wie Ladestationen, Wartungseinrichtungen u.ä.. Das Selbe gilt auch für die sogenannten „Passivhäuser“ die im Bau erst einmal wesentlich mehr Aufwand als herkömliche Häuser erzeugen. Außerdem vergisst man gänzlich, dass Produzenten keinerlei Interesse an schneller Umstellung auf Effizienz haben, sondern ihre Produktionsananlagen und Infrastrukturen zunächst abschreiben wollen bevor diese ersetzt werden. Aber auch der „Rebound-Effekt“ der Konsumenten wird von Vertretern der „Green Economy“ selten berücksichtigt: Wer ein Passivhaus besitzt und dadurch Energiekosten spart, gibt dieses Geld an anderer Stelle wieder aus z.B. für Flugreisen oder einen Zweitwagen. Und der Eigentümer eines Elektroautos wird dies sicherlich nicht als Anlass nehmen weiterhin Gedanken an Fahrgemeinschaften oder öffentlichen Vekehr zu verschwenden. Im Gegenteil: Das Elektroauto wird als Persilschein empfunden immer und überall fahren zu können, schließlich  fährt man ja scheinbar völlig umweltfreundlich. Durch den Reboundeffekt werden also Ressourcenverbrauch und Verschmutzung sogar noch weiter erhöht.

Und letzlich benötigen auch „grüne Produkte“ Ressourcen, verfallen und werden irgendwann entsorgt. Und auch, oder sogar greade, die Ressourcen die für „grüne Produkte“ verwendet werden irgendwann knapper werden, bis sie gänzlich aufgebraucht sind. Inwiefern diese Endlichkeit der Ressourcen die für „grüne Produkte“ benötigt werden mit ewigem Wachstum vereinbar ist bleibt bei den Vertretern der Green Economy jedoch offen.

Letzlich sollte klar sein worum es in der „Green Economy“ wirklich geht: Stetiges Wachstum bei gleichzeitig unendlicher Energie. Eine Befeuerung der „ALLES, IMMER und zwar SOFORT“-Kultur des Nordwestens wird dadurch bloß noch weiter voran getrieben.

Zum Schluss eine kleine Anekdote: Als dem ehemaligen Bundesumweltminister Peter Altmaier eine Studie vorgelegt wurde mit der Forderung das Wirtschaftswachstum vom Ressourcenvebrauch zu entkoppeln gab dieser zur Antwort, dass sich das ja alles ganz nett anhöre, er sich aber beim besten Willen nicht vorstellen könne wie das gehen solle.

Literatur:

„Selbst denken – Eine Anleitung zum Widerstand“ von Harald Welzer

„Freiheit statt Kapitalismus“ von Sarah Wagenknecht

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