Urkommunismus – Eine Einführung


Urkommunismus bezeichnet vor allem in der Geschichtsphilosophie des Historischen Materialismus eine frühe menschliche Form der sozialen und politischen Organisation (Urgesellschaft). In dieser frühen menschlichen Organistionsform herrscht(e) gemeinschaftlicher Besitz an lebensnotwendigen Ressourcen und Gütern vor (Kollektiveigentum). Die Bezeichnung Urkommunismus begründet sich darin, dass in dieser Form der gesellschaftlichen Organisation weder Privateigentum an Produktionsmitteln noch Geld gab (und dadurch keine sozialen Klassen). Der Urkommunismus ist zwar in erster Linie eine Form der sogenannten „Urgesellschaft“, existierte als Form der gesellschaftlichen Organistion aber auch in Antike, Mittelalter, der Neuzeit und auch der Gegenwart. Rosa Luxemburg beispielsweise, eine der wichtigsten Quellen zum Urkommunismus,  setzte sich intensiv mit der egalitären Gesellschaft der Germanen auseinander und schrieb dazu: „Man kann sich nichts Ein­fa­che­res und Har­mo­ni­sche­res zu­gleich vor­stel­len als dieses Wirt­schafts­sys­tem der alten ger­ma­ni­schen Mark. Wie auf fla­cher Hand liegt hier der ganze Me­cha­nis­mus des gesellschaft­li­chen Le­bens. Ein stren­ger Plan, eine stram­me Or­ga­ni­sa­ti­on um­fas­sen hier das Tun und Las­sen jedes Ein­zel­nen und fügen ihn dem Gan­zen als ein Teil­chen ein. Die un­mit­tel­ba­ren Be­dürf­nis­se des täg­li­chen Le­bens und ihre gleich­mä­ßi­ge Be­frie­di­gung für alle, das ist der Aus­gangs­punkt und der End­punkt der gan­zen Or­ga­ni­sa­ti­on. Alle ar­bei­ten ge­mein­sam für alle und be­stim­men ge­mein­sam über alles.

Rosa Luxemburg führt weiter aus: „Vor zwei­tau­send Jah­ren also und noch frü­her, in jener grau­en Vor­zeit der ger­ma­ni­schen Völ­ker … herrsch­ten bei den Ger­ma­nen Zu­stän­de, die von den heu­ti­gen grund­ver­schie­den waren. Kein Staat mit ge­schrie­be­nen Zwangs­ge­set­zen, keine Spal­tung in Rei­che und Arme, Herr­schen­de und Ar­bei­ten­de waren da­mals unter den Ger­ma­nen be­kannt.

Wie man sieht könnte der Urkommunismus prinzipiell auch „Uranarchismus“ heißen, da er nicht nur klassenlos, sondern auch weitestgehend herrschaftslos war. Diese Form der gesellschaftlichen Organistion wurde jedoch nicht nur von Germanen betrieben, sondern auch von den amerikanischen Ureinwohnern wie z.B. den Indianern, Atzteken und den Inkas, mit deren Gesellschaftsform sich ebenfalls verschiedene Marxisten auseinandersetzten. Zwar gab es in diesen Gesellschaften auch „Autoritäten“ (Schamanen und Stammesführer) jedoch waren diese primär eher für spirituelle Fragen, Kriegsführung und für die Verteilung der Güter zuständig, man kann also in diesem Kontext nicht von einer Feudalherrschaft, Gewaltherrschaft o.ä. sprechen. Im Urkommunismus wurden die Güter gesammelt, gejagt oder produziert die von Natur aus benötigt wurden und anschließend nach festen Mustern unter allen verteilt, auch unter den „unproduktiven Gesellschaftsmitglieder“ wie z.B. den Alten und den Kindern.

Die urkommunistischen Gesellschaften wurden vor allen Dingen von den imperialistischen Großmächten nach und nach zerschlagen. Amerika beispielsweise wurde kolonialisiert und die indigene Bevölkerung mit ihrer Gesellschaft zu großen Teilen ausgerottet. Der germanische Urkommunismus wurde zunächst in Teilen von den Römern zerschlagen und ging dann später in verschiedene Feudalsysteme wie das „Heiligen Römischen Reiches“ über. Nur in wenigen Teilen der Welt findet man noch urkommunistische Gesellschaften und zwar vorwiegend dort wo die indigene Bevölkerung noch am stärksten von der modernen westlichen Gesellschaft abgeschottet ist. Aber der Urkommunismus beweist dennoch eines: Eine egalitäre, klassenlose Gesellschaft in der alle gleich sind ist nicht nur möglich, sondern möglicherweise sogar „natürlich“. Die Behauptung, dass eine wirklich gleichberechtigte Gesellschaft unmöglich oder wider der Natur sei ist völlig falsch. Es hat sie gegeben und sie hat funktioniert, bis die selbsternannten Herren der Welt sie mit dem Blut der „einfachen Menschen“ beendeten.

 

Literatur:

Der Urkommunismus: Auf den Spuren der egalitären Gesellschaft von Dieter Reinisch (Hg.)

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